Die Tage hat uns ein Kunde das neue f2,8/6mm Fisheye geschickt. Ich habe das Objektiv auf der optischen Bank veremssen und ein KISS Panorama-Set dafür konfiguriert.
Das Objektiv ist seit dem legendären f3,5/8mm Sigma das erste zirkulare Fisheye für eine Vollformatkamera. Es bildet also den gesamten Bildkreis auf einem Vollformatsensor (24mm x 36mm) ab.
An der Sony A7.4 mit 33MP Sensor (4.688x7.040 Pixel) beträgt der volle Bildkreisdurchmesser des AstrHori 4.110 Pixel, also ca. 21mm. Die Projektion ist im Gegensatz zum legendären 8er Sigma nicht äquidistant, sondern eine zum Bildrand hin komprimierende Sinus-Projektion. Anders wäre auch ein Bildwinkel >180° nicht abzubilden.
Der Hersteller (Bozhendao Technology Co. Ltd, Shenzen/China) spezifiziert für die Linse einen Bildwinkel von 220°. Im Klartext: Das Objektiv schielt rundum ca. 15° nach hinten. Darüber hinaus ist das Objektiv für das kurze Auflagemaß ausgelegt, also für spiegellose Systemkameras wie die Canon-R, Nikon-Z, Sony-E oder eine Kamera mit RF-Mount (z.B. Panasonic).
Ich weiß, daß einige Panoramafotografen schon lange auf so eine Linse gewartet haben. Der gigantische Bildwinkel ist ja für Panoramafotografen auch verführerisch: 220° Bildwinkel, theoretisch macht man also mit nur zwei Aufnahmen ein voll sphärisches Panorama, also eine Aufnahme nach Norden und eine nach Süden. Theoretisch geht das und lässt sich auch stitchen. In der Praxis wird man aber wohl drei, besser vier Aufnahmen machen, allein schon, weil eine 2er Rastung am rastenden Rotator fehlt. Und bevor man mit einer Rastung R8 nur zwei Aufnahmen macht, macht man besser gleich vier.
Interessant ist bei einem so großen Bildwinkel der winkelabhängige Nodalpunktgang. Jeder einfallende Lichtstrahl "sieht" die Eintrittspupile an einer anderen Stelle. Je schräger der Lichtstrahl zur optischen Achse einfällt, desto weiter bewegt sich die Eintrittspupile im Objektiv nach vorne. In der Sprache der Panoramafotografen bedeutet das, daß sich der Nodalpunkt nach vorne verschiebt. In der Praxis bedeutet das, daß dann, wenn das Panoramasystem genau so eingestellt ist, daß benachbarte Aufnahmen auf dem Äquator exakt stitchen, Zenit und Nadir nicht exakt stitchen können. Im Klartext: Man kann das Panoramasystem gar nicht exakt so einstellen, daß Äquator und Nadir perfekt stitchen.
Es ist entscheidend, wie ausgeprägt der winkelabhängige Nodalpunktgang des Objektivs ist. Diese Ausprägung hängt entscheidend von der Projektion des Objektivs ab.
Die nahezu stereografische Projektion der Samyang-Objektive ist sehr gutmütig. Da verschiebt sich der Nodalpunkt zwischen 0° und 90° nur um ca. 6mm.
Das Extrembeispiel ist das legendäre DX-Nikkor f2,8/10,5mm. Bei der Linse beträgt der Nodalpunktgang über 12mm.
Daher war ich gespannt, wie sich das AstrHori diesbezüglich verhält:
Für Einfallswinkel zwischen 0° und 90° zur optischen Achse verschiebt sich die Eintrittspupille um 8,2mm. Das ist "noch gut" im Vergleich zum 10,5er Nikkor.
Aufgrund des winkelabhängigen Nodalpunktgangs ist jede Konfiguration eines Panoramasystems ein Kompromiss. Aber je größer der Bildüberlapp benachbarter Aufnahmen ist, desto weniger wirkt sich der Nodalpunktgang aus. Und je größer der Aufnahmeabstand ist, desto größer ist die zulässige Toleranz.
In den meisten voll sphärischen Panoramen ist der Aufnahmeabstand im Nadir und am Äquator am größten, während im Nadir der Boden unter dem Stativ nur anderthalb Meter Abstand von der optischen Achse hat. Und genau diese Lichtstrahlen fallen unter dem größten Einfallswinkel (90°) ein.
Ich habe daher das Panoramasystem exakt für 70° Einfallswinkel konfiguriert, das ist ein guter Kompromiss.
Ich möchte hier nicht weiter auf die Eigenschaften des Objektivs eingehen. Das machen andere Leute bereits zur Genüge. Sie finden dazu bereits zahlreiche Beiträge im Internet.
Einen Punkt möchte ich hier noch erwähnen: Aufgrund des großen Bildwinkel liegt natürlich die Frontline völlig ungeschützt. Man tut daher gut daran, den Objektivdeckel nur zur Aufnahme abzunehmen und danach gleich wieder anzubringen.




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